Refugee11 auf den sozialen Kanälen:

WARTEN

Das Asylverfahren ist ein sehr aufwändiger Prozess und kann ziemlich lange dauern. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und hängt davon ab, wie viele Anträge das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bearbeiten muss. Das Warten auf die Asylentscheidung ist für Asylsuchende eine von großer Unsicherheit geprägte Zeit.

Nach ihrer Ankunft wohnen Geflüchtete zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung.1 Häufig werden Kasernen,2 Sporthallen, neu errichtete Container-Dörfer oder Zelte als Sammelunterkunft genutzt.3 Die Geflüchteten leben dort auf engem Raum zusammen. Hunderte einander nicht bekannte Menschen teilen sich Toiletten, Duschen und Küchen.  In den Schlafräumen stehen viele Reihen Betten. Häufig bieten nur Vorhänge etwas Privatsphäre. Geflüchtete haben dort kaum einen Rückzugsort, an dem sie allein sein können. Sie kommen aus verschiedenen, manchmal verfeindeten Herkunftsländern. Verschiedene Lebensweisen und Religionen stoßen aufeinander. So können auch Konflikte zwischen den Menschen entstehen.4

Im nächsten Schritt werden die Geflüchteten in die zuständigen Aufnahmeeinrichtungen der einzelnen Bundesländer verteilt. Das nennt sich EASY-Verteilung – Erstverteilung von Asylbegehrenden. Die Zuweisung hängt von den aktuellen Kapazitäten ab. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, an welchem Standort des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) das jeweilige Herkunftsland der Asylsuchenden bearbeitet wird.5

Welches Bundesland wie viele Menschen aufnimmt, darüber entscheidet der sogenannte Königsteiner Schlüssel. Er wird jedes Jahr aus der Einwohnerzahl und den Steuereinnahmen der Bundesländer berechnet. Damit Familien, die während ihrer Ankunft in Deutschland in unterschiedliche Unterkünfte verteilt wurden, wieder zusammengeführt werden können, müssen sie bei ihrer Registrierung unbedingt angeben, ob und wo sich Familienmitglieder in Deutschland aufhalten.6 Je nach Herkunftsland bleiben Geflüchtete mehrere Monate in einer Aufnahmeeinrichtung. Nach einiger Zeit können sie aber auch in kleineren Unterkünften und Wohnungen untergebracht werden.7

Fehmi Almgharbl und Eroll Zejnullahu sprachen im Stadion an der Alten Försterei des 1. FC Union Berlin darüber, wie wichtig Sport für sie ist.

In den Aufnahmeeinrichtungen bekommen die Geflüchteten Essen, Kleidung und Hygieneartikel. Wenn sie schwer krank sind, müssen sie zuerst zum Sozialamt und erhalten dort einen speziellen Krankenschein mit dem sie in eine Arztpraxis gehen können. In einigen Bundesländern wurde eine spezielle Gesundheitskarte für Geflüchtete eingeführt, mit der sie direkt zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen können.8 Außerdem steht ihnen ein sogenanntes „Taschengeld“ für notwendige persönliche Bedürfnisse zu.9 Für staatliche Unterstützung gelten strenge Voraussetzungen: Wer in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt und Erspartes hat oder Geld verdient, muss die Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und andere Leistungen an den Staat zurückzahlen.10

Eine Familienzusammenführung mit Familienmitgliedern, die in den Herkunftsländern verblieben sind, ist sehr schwierig. Sie dürfen nicht nach Deutschland nachkommen solange das Asylverfahren nicht abgeschlossen ist. Geflüchtete in Deutschland dürfen erst einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen ist und sie eine Schutzform erhalten haben, die das vorsieht. Das Familienasyl gilt aber nur für Ehepartnerinnen und -partner sowie minderjährige Kinder.11

In den ersten drei Monaten nach der Stellung des Asylantrages gilt die Residenzpflicht. Die Asylsuchenden dürfen sich nicht frei in ganz Deutschland bewegen, sondern nur in einem vorgegebenen Gebiet.12 Asylsuchende mit schlechter Bleibeperspektive dürfen nicht arbeiten. Wer eine gute Bleibeperspektive hat, darf frühestens nach drei Monaten arbeiten.13 Doch den meisten Geflüchteten fehlen die notwendigen Sprachkenntnisse. Deshalb gibt es mittlerweile viele Integrationsmaßnahmen von Bund und Ländern auch für Geflüchtete, deren Asylverfahren noch läuft. Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive haben Anspruch auf einen Integrationskurs, in dem sie die deutsche Sprache und Gesellschaft kennenlernen.14 Es gibt aber auch viele andere kostenlose Angebote, um Deutsch zu lernen.15

Minderjährige Geflüchtete erhalten in der Regel eine pädagogische Betreuung. Auch bekommen sie einen Erwachsenen als gesetzlichen Vormund zur Seite gestellt, der sie durch das Asylverfahren begleitet. Zudem gilt für sie die Schulpflicht. Wann und in welcher Form der Schulbesuch stattfindet, wird von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.16

Um Asylverfahren schneller abzuschließen, werden die Asylsuchenden nach ihrem Herkunftsland unterschieden. Eine gute Bleibeperspektive haben derzeit Geflüchtete aus Herkunftsländern wie Syrien, Eritrea, Iran und Irak. Asylsuchende aus Ländern wie Albanien und Ghana haben hingegen eine schlechte Bleibeperspektive.17

Das Warten auf die Asylentscheidung ist für viele Geflüchtete eine schwierige Zeit. Es fehlt oft an Beschäftigung und Perspektiven. Doch am Schlimmsten ist die Ungewissheit, wann ihr Asylverfahren entschieden wird und ob sie in Deutschland leben dürfen oder wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren müssen.18

Quellen

1,4,9
Vgl. Schulz-Reiss, Christine (2016): Nachgefragt: Flucht und Integration. Basiswissen zum Mitreden. Bindlach: Loewe Verlag GmbH.

1,4 siehe S. 81  |  siehe S. 83

2
Vgl. Bundesamt für Immobilienaufgaben (2015): BImA erfolgreich bei Unterbringung von Flüchtlingen. Im Internet: https://notunterbringung.bundesimmobilien.de/977495/Bima_erfolgreich

3
Vgl. Bpb (2015): Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung. Bonn: Körber-Stiftung (Band 1671), S. 160.

5
Vgl. BAMF (2017): Erstverteilung der Asylsuchenden (EASY). Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/Erstverteilung/erstverteilung-node.html;jsessionid=DD8DB5F7EC18A07F505AB52713D29FF2.1_cid286

6
Vgl. Nachgefragt: Flucht und Integration, Basiswissen zum Mitreden, S. 82 f.

7,12
Vgl. BAMF (2016): Persönliche Asylantragstellung. Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/PersoenlicheAntragstellung/persoenliche-antragstellung-node.html

8,15
Vgl. Ankommen App. Im Internet: www.ankommenapp.de

10
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Welche Leistungen stehen Asylbewerbern zu? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_function/glossar_catalog.html?nn=1419512&lv2=1663008&id=GlossarEntry1659160

11
Vgl. BAMF (2016): Familienasyl und Familiennachzug. Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/FamilienasylFamiliennachzug/familienasyl-familiennachzug-node.html

13
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Dürfen Flüchtlinge arbeiten? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_function/glossar_catalog.html;jsessionid=6A35AC0DF727882B50891C910ACEF917.s2t1?nn=1419512&lv2=1663008&id=GlossarEntry1659158

14
Vgl. BAMF (2016): Integrationskurse für Asylbewerber und Geduldete. Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/IntegrationskurseAsylbewerber/integrationskurseasylbewerber-node.html

16
Vgl. Andreas Müller, BAMF (2014): Unbegleitete Minderjährige in Deutschland. Fokus-Studie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN), S. 39. Im Internet: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/EMN/Studien/wp60-emn-minderjaehrige-in-deutschland.pdf?__blob=publicationFile

17
Vgl. BAMF (2016): Sichere Herkunftsstaaten. Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/Sonderverfahren/SichereHerkunftsstaaten/sichere-herkunftsstaaten-node.html. Stand: 1. August 2016 – bis zum Redaktionsschluss am 31. Januar 2017 unverändert.

18
Vgl. Miltiadis Oulios, bpb (2014): Meinung: Leben ohne sicheren Aufenthaltstitel. Asyl- und Abschiebungspolitik aus Sicht der Betroffenen. Im Internet: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/neukoelln-unlimited/190654/meinung-leben-ohne-sicheren-aufenthaltstitel-individuelle-perspektive

Alle Links wurden zuletzt am 31. Januar 2017 aufgerufen.

Diese Videos passen gut zum Thema:

 

 

 

Refugee11 Logo

ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt steht eine elfteilige Webvideo-Serie, in der junge geflüchtete Amateurfußballer der Mannschaft „Refugee11“ aus Erftstadt bei Köln Fußballprofis begegnen, die selbst Fluchterfahrungen haben. Die persönlichen Geschichten der Spieler stellen individuelle Erfahrungen neben oft abstrakte Informationen zum Thema Flucht und Asyl und machen diese so erfahrbar.

Flucht hat viele Gesichter. REFUGEE ELEVEN zeigt 22 von ihnen.

 

Follow by Email
YouTube
Facebook
Instagram
Snapchat
Twitter