Refugee11 auf den sozialen Kanälen:

SPRACHE UND AUSBILDUNG

Sprache ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und ist der erste Schritt für eine Integration in die Gesellschaft. Wer die Landessprache spricht, hat bessere Chancen mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, zur Schule zu gehen oder einen Arbeitsplatz zu finden.1

Doch nur wenige Geflüchtete sprechen Deutsch.2 So unterschiedlich die Länder sind, aus denen Menschen nach Deutschland fliehen, so verschieden sind auch die Sprachen, die sie sprechen. Zu den häufigsten gehören Arabisch, Albanisch und persische Sprachen.3 Sie funktionieren ganz anders als Deutsch. Die arabische Sprache zum Beispiel basiert auf dem arabischen Alphabet, das völlig andere Buchstaben als das lateinische Alphabet hat. Auch wird Arabisch von rechts nach links geschrieben und gelesen.4

Das Erlernen der deutschen Sprache fällt deshalb vielen Geflüchteten schwer.5 Besonders schwierig ist es für Analphabeten, die es auch unter den Geflüchteten gibt. Sie können gar nicht lesen und schreiben und müssen zunächst das Alphabet erlernen.6 Aus unserem Alltag ist Schrift zwar nicht wegzudenken, aber es gibt auch Länder, in denen das mündliche Wort mehr als das geschriebene Wort zählt.7

Geflüchtete mit einem positiven Asylbescheid und Geflüchtete, die noch im Asylverfahren sind und eine sogenannte gute Bleibeperspektive haben,8 haben das Recht auf einen Integrationskurs. Der Integrationskurs setzt sich zusammen aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs.9 Im Sprachkurs lernen sie mit anderen Neuzugewanderten das, was für das Sprechen und Schreiben im Alltag notwendig ist. Dazu gehören auch der Kontakt zu Behörden, Gespräche am Arbeitsplatz und das Schreiben von Briefen.10 Im anschließenden Orientierungskurs lernen sie die Grundlagen der deutschen Rechtsordnung, Geschichte und des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie Werte, die in Deutschland wichtig sind, wie zum Beispiel Religionsfreiheit und Gleichberechtigung.11

Denald Jonuzi und Fatmire Alushi trafen sich auf dem Trainingsgelände des 1. FC Nürnberg und sprachen über ihre erste Zeit in Deutschland.

Aber ein Integrationskurs allein reicht nicht aus. Wer darüber hinaus keinen Kontakt zu Deutschen hat, kann nicht üben. Für das Erlernen einer Sprache und das Kennenlernen einer Gesellschaft ist das aber sehr wichtig.12 Kindern fällt das Erlernen von Sprachen oft leichter als Erwachsenen. Die wichtigsten Orte dafür sind Schulen. Geflüchtete Kinder und Jugendliche haben auch im Schutzland ein Recht auf Schule, denn Bildung ist ein Menschenrecht.13 Doch in vielen Ländern der Welt ist Bildung ein Luxusgut, das nur Menschen mit Geld offensteht.14 Manche Regierende verhindern sogar bewusst, dass die Bevölkerung Zugang zu Bildung und Arbeit hat. Denn Bildung ermöglicht Teilhabe und das ist vor allem in Diktaturen ein bedrohliches Szenario.

In Deutschland fordert das Grundgesetz, dass alle Kinder in der Schule und der Ausbildung die gleichen Bildungschancen erhalten sollen, um später einen Beruf zu finden. Dabei soll der Verdienst der Eltern keine Rolle spielen.15 Der Schulbesuch für geflüchtete Kinder und Jugendliche wird von den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In einigen beginnt die Schulpflicht mit dem Asylantrag, in anderen erst nach drei oder sechs Monaten Aufenthalt in Deutschland.16 Auch gibt es verschiedene Arten des Unterrichts: Manche Kinder gehen ab dem ersten Schultag in eine Regelklasse und erhalten zusätzlich Förderunterricht. Häufig werden auch Klassen eingerichtet, in die nur geflüchtete Schülerinnen und Schüler gehen.17 Für viele sind seit ihrem letzten Schulbesuch oft Monate oder Jahre vergangen, weil sie auf der Flucht waren oder in ihrem Herkunftsland Krieg herrschte.

Für erwachsene Geflüchtete ist eine Berufstätigkeit eine gute Möglichkeit Deutsch zu lernen. Doch nicht alle Geflüchteten dürfen nach ihrer Ankunft in Deutschland sofort arbeiten. Es entscheidet der Aufenthaltsstatus: Wer einen positiven Asylbescheid bekommt, darf ohne Einschränkungen arbeiten. Asylsuchende aus Ländern, die als sicher gelten, dürfen nicht arbeiten und auch keine Ausbildung aufnehmen. Asylsuchende mit guter Bleibeperspektive und Geduldete dürfen unter bestimmten Voraussetzungen nach drei Monaten arbeiten.18 Dazu brauchen sie eine Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde. Es werden dann erst die Arbeitsbedingungen geprüft und auch ob eventuell arbeitslose inländische Personen für die Stelle in Frage kommen.19 Eine Berufsausbildung dürfen Asylsuchende nach drei Monaten beginnen, Geduldete ab dem Tag der Duldung. Unabhängig ihres Aufenthaltsstatus dürfen Auszubildende für die gesamte Zeit der Ausbildung in Deutschland bleiben.20

Doch nur den wenigsten Geflüchteten gelingt es sofort, in ihre alten Berufe zurückzukehren. Für die meisten ist es schwer, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden.21 Oft sind die Sprachkenntnisse nicht ausreichend. Auch ist der Bildungsstand der Geflüchteten sehr unterschiedlich. Eine große Rolle spielt dabei die strukturelle und die aktuelle politische Situation in den Herkunftsländern. So verfügen Geflüchtete aus Syrien in der Regel über eine gute Schulbildung, viele arbeiteten zuletzt in technischen oder medizinischen Berufen. Geflüchtete aus Afghanistan haben häufig nicht regelmäßig eine Schule besucht und waren eher in Dienstleistungsberufen oder in der Landwirtschaft tätig. Unter den Geflüchteten aus Eritrea sind viele Menschen, die als Soldaten zwangsrekrutiert waren. Viele sind vermutlich deshalb geflohen.22

Für geflüchtete Kinder und Jugendliche sind Schulen die wichtigsten Orte, um sich zu integrieren.23 Für erwachsene Geflüchtete ist Arbeit eine wichtige Voraussetzung für Integration. Sie bedeutet ein sicheres Einkommen und wirtschaftliche Eigenständigkeit.24

Quellen

1,12
Vgl. Schulz-Reiss, Christine (2016): Nachgefragt: Flucht und Integration. Basiswissen zum Mitreden. Bindlach: Loewe Verlag GmbH, S.120.

2,5,7
Vgl. WDR (2015): Interview mit Sprachwissenschaftler. Wie schwierig ist es, Deutsch zu lernen? Im Internet: http://www1.wdr.de/wissen/mensch/fluechtlinge-lernen-deutsch-108.html

3,22
Vgl. Rich, Anna-Katharina, BAMF (2016): BAMF-Kurzanalyse: Sozialstruktur, Qualifikationsniveau und Berufstätigkeit von Asylantragstellenden. Ausgabe 3|2016. Im Internet: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Kurzanalysen/kurzanalyse3_sozial-komponenten.pdf?__blob=publicationFile

3   siehe S. 1  |  22   siehe S. 10

4
Vgl. Elternakademie Berlin Mitte (2017): Wie lebt es sich mit zwei Sprachen, Leila Chammaa? Im Internet: http://elternakademie-berlin-mitte.de/wie-lebt-es-sich-mit-zwei-sprachen-leila-chammaa/

6
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Sprache. Integrationskurse. Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragtefuerIntegration/sprache/integrationskurse/_node.html;jsessionid=965AE13C3F0CB1A47073F13133CC2C77.s2t2

8
Für 2016 waren das Geflüchtete aus den Ländern Iran, Irak, Syrien und Eritrea. Vgl. BAMF (2016): Asylgeschäftsstatistik für den Monat Dezember 2016, S. 2. Im Internet: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/201612-statistik-anlage-asyl-geschaeftsbericht.pdf?__blob=publicationFile

9
Vgl. BAMF (2016): Inhalt und Ablauf. Im Internet: http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/Integrationskurse/InhaltAblauf/inhaltablauf-node.html

10
Vgl. BAMF (2016): Merkblatt zum Integrationskurs, S. 1. Im Internet http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Integrationskurse/Kursteilnehmer/Merkblaetter/630-121_merkblatt-oeffnung-Integrationskurse.pdf?__blob=publicationFile

11
Vgl. BAMF (2017): Glossar. Orientierungskurs. Im Internet: https://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_function/glossar.html?lv3=1504548&lv2=1364190

13
Vgl. BMFSFJ (2012): Übereinkommen über die Rechte des Kindes, S. 74. Im Internet: www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/358176/publicationFile/3609/UNkonvKinder1.pdf

14
Vgl. Claudia Lohrenscheit, bpb (2013): Das Menschenrecht auf Bildung. Im Internet: http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/zukunft-bildung/156819/menschenrecht?p=all

15
Vgl. Bpb (2013): Chancengleichheit. Im Internet: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/160944/chancengleichheit

16,23
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Müssen minderjährige Asylbewerber und Flüchtlinge die Schule besuchen? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_function/glossar_catalog.html;jsessionid=6A35AC0DF727882B50891C910ACEF917.s2t1?nn=1419512&lv2=1663008&id=GlossarEntry1659148

17
Vgl. Massumi, Mona, von Dewitz, Nora, et al. (2015): Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im deutschen Schulsystem. Bestandsaufnahme und Empfehlungen. Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, S. 7. Im Internet: http://www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/fileadmin/Redaktion/PDF/Publikationen/MI_ZfL_Studie_Zugewanderte_im_deutschen_Schulsystem_final_screen.pdf

18,20
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Dürfen Flüchtlinge arbeiten? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_function/glossar_catalog.html;jsessionid=6A35AC0DF727882B50891C910ACEF917.s2t1?nn=1419512&lv2=1663008&id=GlossarEntry1659158

19
Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2016): Erleichterter Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge. Im Internet: http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2016/erleichterter-arbeitsmarktzugang-fluechtlinge.html

21
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Verdrängen Flüchtlinge Deutsche auf dem Arbeitsmarkt? https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_function/glossar_catalog.html;jsessionid=6A35AC0DF727882B50891C910ACEF917.s2t1?nn=1419512&lv2=1663008&id=GlossarEntry1659152

24
Vgl. Bruno Zandonella, bpb (2016): Themenblätter im Unterricht (Nr. 111). Migration und Integration. Im Internet: http://www.bpb.de/shop/lernen/themenblaetter/224161/migration-und-integration

Alle Links wurden zuletzt am 31. Januar 2017 aufgerufen.

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ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt steht eine elfteilige Webvideo-Serie, in der junge geflüchtete Amateurfußballer der Mannschaft „Refugee11“ aus Erftstadt bei Köln Fußballprofis begegnen, die selbst Fluchterfahrungen haben. Die persönlichen Geschichten der Spieler stellen individuelle Erfahrungen neben oft abstrakte Informationen zum Thema Flucht und Asyl und machen diese so erfahrbar.

Flucht hat viele Gesichter. REFUGEE ELEVEN zeigt 22 von ihnen.

 

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