FLUCHTURSACHEN

An jedem Tag des Jahres 2015 sind weltweit etwa 24 Menschen pro Minute geflohen.1 Im gesamten Jahr waren mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten und Verfolgung, das entspricht ungefähr der gesamten Bevölkerung von Großbritannien und Nordirland.2 51 Prozent der Geflüchteten waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.3

Die Mehrheit der Menschen auf der Flucht sind Binnenvertriebene: Sie werden innerhalb ihres Landes vertrieben. Etwa ein Drittel flieht über die Landesgrenzen.4 Neun von zehn Geflüchteten leben in Entwicklungsländern.5 Bis nach Europa kommt nur ein kleiner Teil. 2016 sind 280.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen.6

Geflüchtete Menschen verlassen ihr Zuhause meist nicht freiwillig. Flucht hat etwas mit äußeren Zwängen zu tun. Es gibt viele Gründe, die Menschen zu dieser Entscheidung nötigen: Krieg, Diskriminierung, Verfolgung, Armut und Umweltkatastrophen. In vielen Fällen ist es eine Mischung aus mehreren Gründen, die Menschen dazu bringt, ihr Herkunftsland zu verlassen.7

Krieg ist weltweit eine der häufigsten Fluchtursachen.8 Mehr als 70 Prozent der Asylsuchenden in Deutschland kommen aus Kriegs- und Krisengebieten (siehe Karte).9 Sie fliehen vor den unmittelbaren Auswirkungen des Krieges, oft auch um einer Zwangsrekrutierung zu entgehen. Häufig werden schon Kinder zu einem Einsatz als Soldatin oder Soldat gezwungen.10

Mehr als die Hälfte aller Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, kommen aus Syrien, Afghanistan und Irak.11 Dort gibt es seit vielen Jahren gewaltsame Konflikte. Syrien wird seit 2011 von einem Bürgerkrieg beherrscht.12 Die Vereinten Nationen schätzen, dass bis 2016 bereits mehr als 400.000 Menschen in Syrien getötet wurden.13 Die Hälfte der syrischen Bevölkerung ist auf der Flucht. Millionen leben in Flüchtlingscamps innerhalb Syriens, in Nachbarländern oder an den Grenzen Europas.14 Doch es gibt auch viele Notunterkünfte, die überfüllt sind. Hier fehlt es an Nahrung15 und es kommt immer wieder zu sexueller Gewalt.16 Dann entschließen sich Menschen häufig ein weiteres Mal zur Flucht, weil sich ein vermeintlich sicherer Ort als unsicher herausstellt.

Abdullah Youla Daffe und Neven Subotic sprachen auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund über Fluchtursachen wie zum Beispiel Krieg und Armut.

Auch Diskriminierung und Verfolgung sind Ursachen für Flucht. In einigen Ländern schränken Regierungen die Rechte ihrer Bürgerinnen und Bürger massiv ein. Sie dürfen ihre Meinung nicht frei äußern und nicht für ihre Rechte demonstrieren. Sie werden aufgrund ihrer politischen Meinung, Herkunft, Religion, sexuellen Identität oder ihres Aussehens diskriminiert und verfolgt.17 Diskriminierung und Verfolgung werden aber nicht immer durch Staaten verursacht. So verfolgen beispielsweise Terrororganisationen wie der sogenannte „Islamische Staat“ in Syrien und Irak18, „Boko Haram“ in Nigeria19 oder die „Taliban“ in Afghanistan und Pakistan20 systematisch Menschen, die nicht nach ihrer Ideologie leben wollen.

Viele Menschen fliehen auch vor Armut, welche mit Hunger, mangelnder Gesundheitsversorgung und Arbeitslosigkeit einhergeht. Rund 1,2 Milliarden Menschen haben weit weniger als einen Euro pro Tag zum Überleben.21 Viele dieser Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Als Folge davon ist die Kindersterblichkeit in den betroffenen Regionen viel höher. Auch die Lebenserwartung Erwachsener ist geringer als in Europa.22 Im Gegensatz zu diesen von extremer Armut Betroffenen lebt ein kleiner Teil der Menschheit in riesigem Reichtum: Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt heute fast die Hälfte des Gesamtvermögens der Welt.23

Quellen

1-5,14
Vgl. UNHCR (2016): Global Trends. Forced Displacement in 2015. Im Internet: http://www.unhcr.de/service/zahlen-und-statistiken.html. Bei Redaktionsschluss lagen noch keine Zahlen für 2016 vor.

1,5 siehe S. 2  |  2,4 siehe S. 6  |  siehe S. 3  |  14 siehe S. 6 f.

6,9,11
Vgl. BAMF (2016): Schlüsselzahlen Asyl 2016. Im Internet: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Flyer/flyer-schluesselzahlen-asyl-2016. html?nn=1694460

7,8,10
Vgl. BAMF (2016): IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten: Überblick und erste Ergebnisse. Forschungsbericht 29. Im Internet: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Forschungsberichte/fb29-iab-bamf-soep-befragung-gefluechtete.pdf?__blob=publicationFile

7,8 siehe S. 23 f.  |  10 siehe S. 6

12
Vgl. Bpb (2013): Syrien: Zwei Jahre Bürgerkrieg. Im Internet: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/156632/buergerkrieg-in-syrien-15-03-2013

13
Vgl. United Nations Radio (2016): Syria envoy claims 400.000 have died in Syria con ict. Im Internet: http://www.unmultimedia.org/radio/english/2016/04/syria-envoy-claims-400000-have-died-in-syria-conflict/#.WDMHtWfrtaQ

15
Vgl. UN News Centre (2015): In Jordan, head of UN food relief agency urges increased funding for Syrian refugees. Im Internet: http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=51614#.WDVu7GCE670

16
Vgl. Sola Hülsewig, SWR (2016): Wenn Frauen nur mit Sex überleben können. Im Internet: http://www.swr.de/landesschau-aktuell/uebergriffe-in-fluechtlingslagern-wenn-frauen-nur-mit-sex-ueberleben-koennen/-/id=396/did=17652592/nid=396/18h6p3j/

17
Vgl. Julius Wolf, der Freitag (2015): Weshalb fliehen Menschen? Im Internet: https://www.freitag.de/autoren/julius-wolf/weshalb-fliehen-menschen

18
Vgl. Miriam M. Müller, bpb (2016): Terror oder Terrorismus? Der „Islamische Staat“ zwischen staatstypischer und nichtstaatlicher Gewalt. Im Internet: http://www.bpb.de/apuz/228873/der-islamische-staat-zwischen-staatstypischer-und-nichtstaatlicher-gewalt

19
Vgl. Jan Sändig, bpb (2016): Boko Haram: Lokaler oder transnationaler Terrorismus? Im Internet: http://www.bpb.de/apuz/228876/boko-haram-lokaler-oder-transnationaler-terrorismus

20
Vgl. Guido Steinberg, bpb (2011): Taliban. Im Internet: http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/36377/taliban

21
Vgl. DGVN (2014): Der Bericht über die menschliche Entwicklung 2014, S. 24. Im Internet: http://www.dgvn.de/index.php?id=1922

22
Vgl. World Health Organization (2016): World Health Statistics 2016: Monitoring health for the SDGs, S. 104ff. Im Internet: http://www.who.int/gho/publications/world_health_statistics/2016/en/

23
Vgl. Credit Suisse AG (2016): Research Institute. Global Wealth Report 2016, S. 2. Im Internet: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjt17OYpPHRAhVILhoKHadSCKEQFgg8MAM&url=http%3A%2F%2Fwww.db.zs-intern.de%2Fuploads%2F1479892972-GlobalWealthReport2016.pdf&usg=AFQjCNGgXP5MkjaaXvUW1nfGiBwMV3tzyg&bvm=bv.146073913,d.d2s

24
Vgl. Sophie Wirsching (2016): Hilfe für Flüchtlinge. Vor dem Klima auf der Flucht, S.1. Im Internet: https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/WeltGemeinde/Gemeindematerial/hilfe-fluechtlinge/vor_dem_klima_auf_der_flucht.pdf

25
Vgl. Jochen Oltmer, bpb (2013): Welche Folgen haben die globalen Umweltveränderungen für Migrationsverhältnisse? Im Internet: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/168596/umweltveraenderungen

Alle Links wurden zuletzt am 31. Januar 2017 aufgerufen.

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ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt steht eine elfteilige Webvideo-Serie, in der junge geflüchtete Amateurfußballer der Mannschaft „Refugee11“ aus Erftstadt bei Köln Fußballprofis begegnen, die selbst Fluchterfahrungen haben. Die persönlichen Geschichten der Spieler stellen individuelle Erfahrungen neben oft abstrakte Informationen zum Thema Flucht und Asyl und machen diese so erfahrbar.

Flucht hat viele Gesichter. REFUGEE ELEVEN zeigt 22 von ihnen.

 

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