Refugee11 auf den sozialen Kanälen:

DISKRIMINIERUNG

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und niemand darf aus willkürlichen Gründen benachteiligt oder bevorzugt werden – so steht es im deutschen Grundgesetz:1

NIEMAND DARF WEGEN SEINES GESCHLECHTES, SEINER ABSTAMMUNG, SEINER RASSE, SEINER SPRACHE, SEINER HEIMAT UND HERKUNFT, SEINES GLAUBENS, SEINER RELIGIÖSEN ODER POLITISCHEN ANSCHAUUNGEN BENACHTEILIGT ODER BEVORZUGT WERDEN. NIEMAND DARF WEGEN SEINER BEHINDERUNG BENACHTEILIGT WERDEN.

In der Realität erfahren viele Menschen im Alltag, in den Medien und öffentlichen Einrichtungen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Identität Benachteiligung. Sie werden diskriminiert.2 Um das Grundrecht auf Gleichbehandlung im Alltag durchzusetzen, wurde 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verabschiedet, auch Antidiskriminierungsgesetz genannt.3

Der Grund für Diskriminierungen sind oft Vorurteile. Vorurteile sind meist negative Einstellungen gegenüber einer Gruppe bzw. einer einzelnen Person. Sie beruhen häufig nicht auf eigenen Erfahrungen, sondern werden von anderen übernommen. Jeder Mensch wird ohne Vorurteile geboren. Aber in jeder Gesellschaft gibt es Wissen, Normen und auch Vorurteile, die von der Familie, Freunden, der Schule und auch durch die Medien weitergegeben werden.4

Vorurteile sind Kategorisierungen. Sie erleichtern den Alltag, denn sie geben in einer komplexen Umwelt Orientierung,5 weil das Gehirn nicht jeden Umweltreiz individuell wahrnehmen kann. Die Folge ist „Schubladendenken“:6 Wir bilden Kategorien für alle Personen und Dinge, die uns umgeben. So kategorisieren wir eine Person zum Beispiel nach ihrem Geschlecht, Alter oder der Hautfarbe. Diese Kategorien sind jedoch oft nicht neutral, sondern mit Wertungen verbunden, die sich auf die kategorisierten Personen und Dinge übertragen.7

Gerald Asamoah und Eyad Ibrahim tauschten auf der Glückauf-Kampfbahn in Gelsenkirchen ihre persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierungen aus.

Vorgefasste Meinungen verstellen den Blick auf die Wirklichkeit und führen zu Verallgemeinerungen und Pauschalurteilen. Sie werden insbesondere dann problematisch, wenn sie die Grundlage für abwertendes Verhalten bilden.8 Der Übergang von Vorurteilen zu einem diskriminierenden, beispielsweise rassistischem Verhalten, kann dann fließend sein.9

So haben manche Vorurteile gegenüber Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung, obwohl sie sie nicht persönlich kennen. Zum Beispiel behaupten sie, dass männliche Migranten überdurchschnittlich häufig kriminell seien. Tatsächlich kann diese Behauptung mit den offiziellen Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik aber nicht belegt werden.10

Menschen, die Vorurteile verbreiten, nutzen oft Einzelfälle, um Angst zu schüren. Häufig behaupten sie falsche Tatsachen, um gegen bestimmte Personengruppen Stimmung zu machen.11 Im schlimmsten Fall werden aus diskriminierenden und rassistischen Worten auch Taten und Menschen allein aufgrund äußerer Merkmale einer Gruppe zugeordnet, ausgegrenzt, diskriminiert und körperlich angegriffen.12 2015 wurden in Deutschland allein 1.031 Straftaten gegen Asylunterkünfte verübt,13 829 in den ersten drei Quartalen von 2016.14 Es wurden Brände gelegt, Gebäude mit Steinen beworfen oder Mauern mit Parolen beschmiert. Offiziell kommt es in Deutschland am Tag zu drei rassistischen Übergriffen. Die Aufklärungsquote ist gering.15

In den letzten Jahren schüren in Europa wieder verstärkt rechtspopulistische Parteien Ängste vor Eingewanderten und Geflüchteten. Besonders im Fokus stehen Menschen muslimischen Glaubens. Ihnen wird unterstellt, dass sie religiös begründeten Terror verbreiten wollen. Das stellt die weltweit 1,6 Milliarden Gläubigen unter Generalverdacht. Nur die wenigsten von ihnen begehen aber terroristische Straftaten. In der islamischen Religion ist Mord wie auch in anderen Religionen eine der schwersten Sünden.16

Viele Menschen, die Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung ablehnen, kennen persönlich keine und wollen sie häufig auch nicht kennenlernen. Oft wollen sie ihre Vorurteile nicht hinterfragen, um sie nicht korrigieren zu müssen.17

Dafür kann es verschiedene Gründe geben. In den letzten Jahren haben Globalisierung und Migration bei vielen Menschen Unsicherheit und Konkurrenzdenken ausgelöst. Das förderte in Teilen der Gesellschaft die Entstehung von Vorurteilen und Ablehnung des vermeintlich Fremden. Viele Menschen sehen ihren ökonomischen oder sozialen Status durch Eingewanderte oder Geflüchtete bedroht. Sie fühlen sich benachteiligt, weil sie unzufrieden sind und das Gefühl haben, dass es den Anderen bessergeht. Oft verschieben Menschen, die andere ablehnen, dann ihre negativen Gefühle auf Andere – besonders dann, wenn sie glauben, dass von diesen kein Widerstand zu erwarten ist.18

Das Überwinden von Vorurteilen ist ein schwieriger und langwieriger Prozess des Umlernens. Dazu gehört die Bereitschaft, die eigenen Urteile kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und zu überlegen, ob sie dem anderen Menschen gerecht werden.19 Auch wenn Vorurteile harmlos wirken und nicht immer abwertend gemeint sind, sind sie ungerecht und verletzend. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, individuell beurteilt zu werden, nicht anhand von äußeren Merkmalen wie Herkunft, Hautfarbe oder Behinderung.20 Gleichwertigkeit ist ein zentrales Merkmal einer jeden Demokratie,21 deshalb ist es wichtig, dass eine demokratische Gesellschaft mit Entschiedenheit gegen Diskriminierungen und Rassismus vorgeht.22

Quellen

1,11,15-17
Vgl. Schulz-Reiss, Christine (2016): Nachgefragt: Flucht und Integration. Basiswissen zum Mitreden. Bindlach: Loewe Verlag GmbH.

1,11 siehe S. 100 f.  |  15 siehe S. 104  |  16 siehe S. 98 f.  |  17 siehe S. 92 f.

2,3
Vgl. Bpb (2007): M 01.11 Begriff „Diskriminierung“. Im Internet: http://www.bpb.de/lernen/grafstat/projekt-integration/134636/m-01-11-begriff-diskriminierung

4,5,7,18,19
Vgl. Werner Bergmann, bpb (2006): Was sind Vorurteile? Im Internet: http://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all

6
Vgl. Daniel Geschke, bpb (2012): Vorurteile, Differenzierung und Diskriminierung – sozialpsychologische Erklärungsansätze. Im Internet: http://www.bpb.de/apuz/130413/vorurteile-differenzierung-und-diskriminierung-sozialpsychologische-erklaerungsansaetze?p=all

8,12
Vgl. Rüdiger Fleiter, bpb (2006): Editorial. Im Internet: http://www.bpb.de/izpb/9678/editorial

9
Vgl. Bernd Six und Iris Six-Materna, spektrum (2000): Lexikon der Psychologie. Vorurteile. Im Internet: http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/vorurteile/16528

10
Vgl. Bundesministerium des Inneren (2016): Polizeiliche Kriminalstatistik 2015. Im Internet: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2016/pks-2015.pdf?__blob=publicationFile
und vgl. auch Ilka Sommer, bpb (2012): „Ausländerkriminalität“ – statistische Daten und soziale Wirklichkeit. Im Internet: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/innere-sicherheit/76639/auslaenderkriminalitaet?p=0

13
Vgl. Bundeskriminalamt (2015): Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung, S. 32. Im Internet: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung_2015.html

14
Vgl. Bundeskriminalamt (2016): Kernaussagen „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ Betrachtungszeitraum: 01.01.-30.09.2016“, S. 8. Im Internet: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/kernaussagenZuKriminalitaetImKontextVonZuwanderung.html

20
Vgl. Patrick Pilarek, bpb (2013): Themenblätter im Unterricht (Nr. 90). Vorurteile. Im Internet: http://www.bpb.de/shop/lernen/themenblaetter/36479/vorurteile

21
Vgl. Sinah Grotefels, bpb (2016): Pauschale Ablehnungen – Vom Vorurteil zur Diskriminierung. Im Internet: http://www.bpb.de/veranstaltungen/dokumentation/224611/pauschale-ablehnungen-vom-vorurteil-zur-diskriminierung

22
Vgl. Bpb (2013): Diskriminierung. Im Internet: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/160994/diskriminierung

Alle Links wurden zuletzt am 31. Januar 2017 aufgerufen.

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ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt steht eine elfteilige Webvideo-Serie, in der junge geflüchtete Amateurfußballer der Mannschaft „Refugee11“ aus Erftstadt bei Köln Fußballprofis begegnen, die selbst Fluchterfahrungen haben. Die persönlichen Geschichten der Spieler stellen individuelle Erfahrungen neben oft abstrakte Informationen zum Thema Flucht und Asyl und machen diese so erfahrbar.

Flucht hat viele Gesichter. REFUGEE ELEVEN zeigt 22 von ihnen.

 

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