Refugee11 auf den sozialen Kanälen:

ANKOMMEN

Mit ihrem Ankommen in Deutschland erreichen Geflüchtete oft das erste Mal nach Monaten oder Jahren einen sicheren Ort. In ihren Herkunftsländern und auf der Flucht waren sie oft vielfältigen Gefahren ausgesetzt (siehe Fluchterfahrungen).

Diese Erlebnisse haben bei vielen Geflüchteten Spuren hinterlassen. Sie benötigen medizinische Hilfe, sind von den Anstrengungen der Flucht erschöpft, verletzt oder krank. Manche Krankheiten oder Verletzungen konnten schon in ihren Herkunftsländern nicht behandelt werden.1

Häufig leiden Geflüchtete auch seelisch unter den Folgen der Flucht: Sie haben Schlafstörungen, Alpträume, Kopfschmerzen, Depressionen und plötzliche Ängste – oft auch erst Monate nach ihrer Ankunft. Diese Beschwerden sind häufig direkte Folge traumatischer Erlebnisse.Flüchtlingshilfsorganisationen fordern deshalb mehr therapeutisches Fachpersonal, das auf den Umgang mit Fluchterfahrungen spezialisiert ist und Geflüchteten dabei helfen kann, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Sie fordern auch, dass mehr Personal eingesetzt wird, das für Geflüchtete übersetzen kann.3

Warum suchen Geflüchtete in Deutschland Schutz?

  • Achtung der Menschenrechte 73%
  • Deutsches Bildungssystem 43%
  • Gefühl Willkommen zu sein 42%
  • staatliche / soziale Wohlfahrt 26%
  • wirtschaftliche Lage Deutschlands 24%
  • Deutsches Asylverfahren 22%
  • Familienangehörige leben bereits hier 19%
  • andere Menschen aus dem Herkunftsland leben hier 14%
  • Freunde / Bekannte leben bereits hier 12%
  • Zufall 9%

Quelle: IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016

Die psychische Belastung endet oft nicht mit der Ankunft in Deutschland. Die Sorge um Freunde und Familienmitglieder, die im Herkunftsland oder an einem anderen Fluchtort zurückgeblieben sind, bedeutet zusätzlichen Stress. Auch die Zeit, in der die Geflüchteten auf ihre Asylentscheidung warten (siehe Asylentscheidung) und es nicht sicher ist, ob sie in Deutschland bleiben können, sorgt für Unsicherheit und Angst.4

Außerdem bleibt nach der Flucht die Herausforderung, eine neue Sprache zu erlernen und sich in eine neue Gesellschaft zu integrieren.5 Vor der Flucht haben viele Menschen häufig keine genaue Vorstellung von einem Leben in Europa.

Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach dem Ankommen kann die Begegnung mit einer neuen Gesellschaftsform Menschen zunächst überfordern. Geflüchtete möchten den Werten ihrer Herkunftsgesellschaft ebenso gerecht werden, wie denen in der neuen Gesellschaft.6

Oft sind es unterschiedliche Lebensweisen von Menschen, die sich erst annähern und kennenlernen müssen. Unsere persönlichen Freiheiten, Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Regeln gesellschaftlichen Zusammenlebens: Obwohl viele Geflüchtete, die in Deutschland gelebten Werte befürworten, erleben sie die tatsächlich gelebte Freiheit und Rechtsstaatlichkeit häufig zum ersten Mal. Sie schätzen den respektvollen Umgang der Menschen untereinander und die Achtung von Menschenrechten. Gleichzeitig brauchen sie Zeit, die Rechte und Pflichten unserer Gesellschaft kennenzulernen, zu verstehen und schließlich auch selbst zu leben.7

Noorullah Merzakhel und Stephen Sama sprachen auf dem Gelände des VfB Stuttgart über ihre ersten Eindrücke von Deutschland.

Neben den Menschen, die ohne konkrete Vorstellungen nach Deutschland kommen, gibt es auch einige, die ein ganz falsches Bild von Deutschland haben. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Viele Schleuser setzen Gerüchte in die Welt, um ihr Geschäft anzukurbeln.8 Darum verbreiten sie, auch im Internet, die Idee von einem paradiesischen Leben in Deutschland. Das Auswärtige Amt und die Vereinten Nationen versuchen mit Informationskampagnen diesen falschen Gerüchten entgegenzutreten.9

Aber nur für wenige Menschen, die nach Deutschland fliehen, sind die falschen Berichte und Gerüchte tatsächlich der ausschlaggebende Grund. Die meisten von ihnen suchen Schutz vor Krieg und Verfolgung in ihren Herkunftsländern.10

Quellen

1,7
Vgl. Bpb (2015): Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung. Bonn: Körber-Stiftung (Band 1671), S. 196.

2
Vgl. Cordula von Denkowski, Spektrum (2015): Das Trauma nach der Flucht. Im Internet: http://www.spektrum.de/news/das-trauma-nach-der-flucht/1369633

3
Vgl. Sara Geisler, fluter (2016): Gefangen in Bildern. Im Internet: http://www.fluter.de/gefangen-in-bildern

4,6
Vgl. Gabriele Siebert, UNHCR (2016): Flucht und Trauma im Kontext Schule. Im Internet: http://www.unhcr.at/fileadmin/user_upload/dokumente/06_service/unterrichtsmaterialien/UNHCR_Traumahandbuch_WEB_neu.pdf

4 siehe S. 22  |  6 siehe S. 21

5
Vgl. Eva Lutter, Manuela Westphal, bpb (2015): Familie im Kontext von Fluchtmigration. Im Internet:  http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/200860/familie-im-kontext-von-fluchtmigration

8
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Warum kommen die Menschen ausgerechnet nach Deutschland? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_node.html?id=GlossarEntry1659128

9,10
Vgl. Christian Werner und Tarek Khello, Deutschlandfunk (2016): Gelockt von falschen Versprechungen. Im Internet: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-in-deutschland-gelockt-von-falschen.724.de.html?dram:article_id=360598

 Alle Links wurden zuletzt am 31. Januar 2017 aufgerufen.

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ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt steht eine elfteilige Webvideo-Serie, in der junge geflüchtete Amateurfußballer der Mannschaft „Refugee11“ aus Erftstadt bei Köln Fußballprofis begegnen, die selbst Fluchterfahrungen haben. Die persönlichen Geschichten der Spieler stellen individuelle Erfahrungen neben oft abstrakte Informationen zum Thema Flucht und Asyl und machen diese so erfahrbar.

Flucht hat viele Gesichter. REFUGEE ELEVEN zeigt 22 von ihnen.

 

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